[Rezension] Almost - Anne Eliot

Sonntag, 21. Mai 2017

Infos
Verlag: dtv junior ~ Format: Taschenbuch ~ Altersempfehlung: ab 14 ~ Seitenzahl: 464 ~
ISBN: 978-3-423-71671-0   ~ Preis: €9,95 (D)
Klappentext
Eigentlich ist ds Ganze nur ein Deal.
Eigentlich will Jess sich keinesfalls verlieben.
Eigentlich...

Drei Jahre ist die Nacht her, die das Leben der heute siebzehnjährigen Jess für immer veränderte. Nun will Jess nichts mehr, als wieder ein normales Leben führen – und dazu braucht sie 1. das Sommerpraktikum bei der Firma geekstuff.com, 2. ein soziales Leben und 3. einen Freund. Denn nur, wenn sie all das hat, werden ihre Eltern ihr glauben, dass alles wieder okay ist bei ihr, und sie endlich wieder ein normales Leben führen lassen. Als ausgerechnet ihr Mitschüler Gray sich als Mitkonkurrent für das Praktikum entpuppt, bietet sich für Jess die perfekte Lösung für alle drei Punkte: Sie teilen sich den Job, Gray bekommt das ganze Geld und tut dafür so, als wäre er ihr Freund. Was Jess aber nicht weiß: dass Gray seine ganz eigenen Gründe hat, sich auf den Deal einzulassen.
So beginnt es
Hätte ich bloß den dritten Red Bull nicht getrunken.
Was ich sage
Ich war mal wieder auf einer meiner mittagspäuslichen Streifzüge in meiner Lieblingsbuchhandlung, als ich Almost nach mehreren Tagen herumschleichen endlich mitgenommen habe. Irgendetwas an dem Cover hat mich magisch angezogen, denn immer wieder hatte ich bei Stöbern dieses Buch in der Hand. Es konnte also kein Zufall sein! Vielleicht war es auch das wunderschöne Cover, dass eine unglaubliche Ruhe ausstrahlt und mich direkt ein kleine Träumerei verfallen lässt. Wenn ich es mir anschaue habe ich sofort das Gefühl von einem warmen Sommertag am Meer ohne Hektik und ohne Stress. Vielleicht habe es auch aus genau diesem Grund mitgenommen, denn manchmal ist weniger eben doch mehr! Außerdem habe ich mich ungefähr hundert Mal gefragt, wer wohl das Mädchen auf dem Cover ist... denn irgendwie hatte ich das Gesicht von Amanda Seyfried vor Augen. Wobei bei längerem Betrachten die Unterschiede nun schon deutlich werden. Aber gut, es ist mir auf jedenfall genau deswegen auch in Erinnerung geblieben und das ist ja nun nichts schlechtes.

Die Geschichte der jungen Jess beginnt mit dem Tag, als sie sich um einen Praktikumsplatz bei geekstuff.com bewirbt. Dieser Job wäre alles für sie und damit ist wirklich absolut alles auf der Welt gemeint, denn dieser Job würde sie wieder ein Stückchen näher an die Normalität heran bringen. Denn eben genau das ist sie (laut aller anderen) nicht - normal. Daher ist es ihr umso wichtiger, dass sie dieses Job ergattert um es allen anderen zu zeigen. Um ihnen zu beweisen, dass sie normal sein kann. Es wäre auch alles so einfach, denn ehrlich gesagt ist sie die perfekte Kandidatin für diesen Job. Wäre da nicht der gutaussehende Gray Porter, der sich ebenfalls um die Stelle bewirbt und mit dem sie mehr gemeinsam hat, als sie weiß. Er scheint ein Geheimnis zu haben, auf das er achtgibt wie auf einen kleinen Schatz, denn eigentlich sollte Gray nie wieder Kontakt mit Jess haben. Er sollte sich von ihr fernhalten und nie wieder ein Wort über diese eine Nacht verlieren. Über die Nacht, die Jess' Leben von grundauf verändert hat. Seit dieser Nacht hat sie schreckliche Albträume und jeder Tag ist ein Kampf mit der Ungewissheit über das, was an jenem Tag wirklich geschehen ist. Aber sie versucht normal zu sein und da kommt es ihr gerade gelegen, dass Gray anscheinend diesen Job dringend braucht und sie schlägt ihm einen aberwitzigen Deal vor. Sie teilen sich den Job, er bekommt das ganze Geld und dafür spielt er einen Sommer lang ihren Freund - ihren festen Freund! Und alle würden sehen, wie normal sie doch ist. Doch es dauert nicht lange, bis ihre Gefühle anfangen Jess im Weg zu stehen und die ganze Sache verkomplizieren. Und dann ist da ja auch noch das Geheimnis und die verschwundenen Erinnerungen, die mit jedem Tag den sie mit dem Jungen mit den wahnsinnig grünen Augen zusammen ist, ein bisschen mehr an Schärfe gewinnen.

Als ich angefangen habe das Buch zu lesen, hatte ich überhaupt keine Ahnung was mich erwarten würde. Und eigentlich habe ich meine Erwartungen auch relativ niedrig gehalten, denn so konnte ich es im Fall der Fälle einfach als Fehlgriff abstempeln. Ich bin inzwischen wirklich froh darüber, dass sich dieser "Fehlgriff" als ziemlicher Glücksgriff entpuppt hat.
Die Handlung hat mich vom ersten Wort an gepackt und ich konnte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Anne Eliot hat einen wundervollen Schreibstil, der trotz aller Ausschweifungen klar und leicht verständlich ist. Das hat das Lesen nur noch einfacher gemacht. Sie erzählt die Geschichte mit einer gewissen Leichtigkeit und doch ist dem Leser ab einem bestimmten Punkt bewusst, dass das eigentliche Thema gar nicht so "leicht" ist.

Auch die beiden Hauptfiguren habe mir wirklich gut gefallen. Jess ist eine junge Frau, die mit 14 Jahren das wohl schrecklichste erlebt hat, was man sich nur vorstellen kann (oder sagen wir "fast schrecklichste"). Und auch jetzt, knapp 3 Jahre später, hat sie immer noch an der Folgen der "Fast"-Vergewaltigung zu knabbern. Das Mädchen, dass sich eigentlich nur ein ganz normales Leben wünscht, sieht sich Tag für Tag mit den Überbleibseln einer jugendlichen Dummheit konfrontiert. Sie durchleidet seelische und körperliche Qualen, die man sich einfach nicht vorstellen kann. Ich kann es jedenfalls nicht. Jess lebt seitdem zurückgezogen, hat wenig bis gar keine Freunde und auch das familäre Zusammenleben wird immer wieder durch ihr Verhalten auf eine harte Probe gestellt. Behütet von ihren Eltern, die sich natürlich riesengroße Sorgen um ihre Tochter machen, will Jess nichts anderes als wie alle anderen zu sein, die im Sommer jobben, Unibewerbungen schreiben und sich vielleicht auch mal verlieben. Es ist kein Wunder, dass sie sich das alles wünscht und dass ihre abweisende und teils auch sehr verletzende Art nichts weiter ist, als ein Schutzmechanismus um die Menschen auf Abstand zu halten. Damit sie ja nicht mitbekommen, wie verkorkst Jess eigentlich ist. Und dann "lernt" sie Gray kennen, den Jungen, der sich verrückterweise auch noch auf ihren sehr verrückten Deal einlässt und für einen Sommer ihren Freund spielen will. Dieser Junge, mit den verdammt grünen Augen, der irgendetwas in Jess lostritt, was sie schon die ganzen Jahre verdrängt. Und eigentlich sollte zwischen den Beiden ja auch nie wieder Kontakt bestehen. Ich glaube, dass Gray die ganze Zeit versucht auf diese Weise sich bei Jess zu entschuldigen, dass er damals nicht für sie da war. Es ist wirklich traurig, wenn man sich das Ganze mal vor Augen führt. Gray, der Jahre lang seine Gefühle verbirgt, ein Geheimnis mit sich herumschleppt und eine der härtesten Entscheidungen in seinem Leben getroffen hat, versucht nun als Fake-Freund Wiedergutmachung zu leisten. Und Jess, die Jahre lang ihre Gefühle unter Verschluss hält und zu einem irgendwie verbitterten, ziemlich zynischen Mädchen herangewachsen ist.
Kann es eine verkorkstere Kombi geben?! Irgendwie passen beide so gut zusammen!!

Während des gesamten Lesens habe ich mich immer wieder gefragt, wann das ganze Schmierentheater wohl auffliegen wird. Ich dachte mir eigentlich, dass das ja nicht all zu lange gut gehen kann, ab dank Jess' ziemlich rabiater Art und Weise mit ihrem "Freund" umzuspringen, musste ich da nicht allzu lange drauf warten. Und eigentlich macht es so eine Geheimniskrämerei meistens nur noch schlimmer.

Im Großen und Ganzen fand ich das Buch wirklich toll. Natürlich war die Handlung an sich an manchen Stellen doch recht vorhersehbar, aber ehrlich gesagt fand ich das gar nicht so schlimm. Auch dass Gray irgendwie von Anfang an in diese gesamte Situation involviert ist, war relativ schnell klar, aber welches Ausmaß es genau annimmt hat man ja erst etwas später herausgefunden. Zeitweise fand ich es ein wenig übertrieben, wie Jess sich verhalten hat. Also Zynismus in allen Ehren, aber die Art und Weise und die Sprüche teilweise, waren echt etwas heftig. Hin und wieder wusste ich nicht genau ob sie das jetzt wirklich oder ob es nur Fassade ist. Und ihr unendlich langes Geschwärme über die achso grünen Augen, ging mir irgendwann etwas auf die Nerven.
Fazit
Almost ist ein tolles Buch, mit einem sehr ernsten Thema, dass aber doch ziemlich gut verpackt wurde. Die Handlung reißt einen mit, die Figuren sind witzig und tragen die Geschichte mit. Ich hatte ein paar wirklich tolle Lesestunden und bin froh, dass ich diesesn "Fehlgriff" gemacht habe!!







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